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Aktuell: Aus der Haunstetter Geschichte

Der Haunstetter Heimatforscher Karl Wahl berichtet:

Vor 160 Jahren, 1856, wurde aus der Haunstetter Papiermühle/Papierfabrik eine Weberei. Das Anwesen ging in den Besitz der AG „Mechanische Spinnerei und Weberei“ über und war dann die Spinnerei und Weberei Haunstetten. Die Haun-stetter sprachen dabei bis zur Schließung nur von der „Fabrik“.

Eine von Carl Buz gegründete Aktiengesellschaft mit 300.000 Gulden Anfangskapital erstellte die Fabrik, die mit 300 Webstühlen, drei Meistern und 180 Arbeitern den Betrieb aufnahm. Sie produzierte im Jahr rund 2,5 Millionen Meter Druckkattune. Die Wasserkraft des Lochbachs war auch der Grund für die Errichtung der Weberei. Transmissionen übertrugen die Antriebskraft direkt auf die Webmaschinen.

Mit der Errichtung der „Fabrik“ vor 160 Jahren vergrößerte sich die Zahl der Protestanten in Haunstetten, vor allem durch den Zuzug von Webern aus dem protestantischen Oberfranken und aus Sachsen, die in den neu gegründeten Webereien Haunstetten und Siebenbrunn Arbeit fanden.

Die Fabrik hatte Menschen aus dem ganzen deutschen Reich sowie aus Österreich, Böhmen und Mähren (bis 1919 auch Österreich, dann Tschechoslowakei) angezogen, auch solche, die die deutsche Sprache gar nicht beherrschten. So schrieb eine Tschechin für ihren Sohn, der in der Schule gefehlt hatte, einen Entschuldigungszettel: "Benedikte ten pum, Christine Meranka Presnavek." Der Lehrer zerbrach sich lange den Kopf über die rätselhafte Nachricht, bis er endlich doch ihren Sinn erfaßte: "Benötigte den Buben, Grüßt Ihne Meranka Presnavek."




Gezeichnete Gesamtansicht der Spinerei und Weberei Haunstetten.



Eine Postkarte mit der Spinnerei und Weberei Haunstetten, aufgenommen aus südlicher Richtung. Die Karte ist datiert von 1903. Damals hatte die „Fabrik“ zwei grosse und einen kleinen Schornstein.




Die Spinnerei und Weberei Haunstetten, aufgenommen aus nordwestlicher Richtung. Im Vordergrund die Siebenbrunner Straße, die heutige Ellensindstraße.



Teilansicht der Spinnerei und Weberei Haunstetten.



Teilansicht der Spinnerei und Weberei Haunstetten.



Aus der „Arbeits-Ordnung der Spinnerei und Weberei Haunstetten.



Aus der „Arbeits-Ordnung der Spinnerei und Weberei Haunstetten, gültig ab 2. Januar 1906.



Spinnerei und Weberei Haunstetten hatte eine eigene Betriebskrankenkasse. Diese soziale Einstellung war für die Zeit vor über 100 Jahren ungewöhnlich.



Die Spinnerei und Weberei Haunstetten hatte eine eigene Betriebsfeuerwehr. Es war jedoch keine Berufsfeurwehr, sondern alles freiwillige Männer der „Fabrik“. Die Schutzkleidung und die Helme hatte die Fabrik beschafft.



Auch eine eigene Feuerleiter hatte die „Fabrik“.

(Text & Bilder: Karl Wahl / Archiv Karl Wahl)

Erstellt am: 13.12.2016 07:04


      

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